Warum Elektroinstallationen ein unterschätztes Brandrisiko sind

Elektrische Anlagen arbeiten unauffällig – bis eine Verbindung nicht mehr richtig sitzt. Fehler in der Elektroinstallation zählen zu den häufigsten technischen Brandursachen in Gewerbe und Industrie.

Das Tückische daran: Eine Schwachstelle entwickelt sich oft über Monate, ohne dass ein Schutzschalter auslöst oder jemand etwas bemerkt. Sichtbar wird sie häufig erst, wenn bereits ein Schaden entstanden ist.

Die Elektrothermografie setzt genau hier an. Sie misst berührungslos die Wärmeabstrahlung stromführender Bauteile und macht Überhitzung sichtbar, lange bevor daraus ein Brand wird.

Übergangswiderstand: Wie aus einer losen Klemme Wärme wird

Fließt Strom durch eine Verbindung, entsteht dort immer ein kleiner Widerstand. Sitzt die Klemme fest und ist der Querschnitt richtig gewählt, bleibt die entstehende Wärme unkritisch.

Lockert sich die Verbindung – durch Vibration, Temperaturwechsel oder eine zu gering angezogene Schraube – steigt der Übergangswiderstand. An der Kontaktstelle wird mehr elektrische Energie in Wärme umgesetzt.

Diese Wärme greift die Isolierung an und lässt den Kontakt weiter altern, wodurch der Widerstand erneut steigt. Ein sich selbst verstärkender Prozess, an dessen Ende ein Schmorbrand stehen kann.

  • Lose oder nicht fachgerecht angezogene Klemm- und Schraubverbindungen
  • Dauerhafte Überlast einzelner Stromkreise oder unsymmetrische Belastung
  • Alterung von Isolierungen, Kontakten und Sicherungselementen
  • Korrosion und Verschmutzung an Kontaktstellen
  • Unterdimensionierte Leitungsquerschnitte nach nachträglichen Erweiterungen

Die Prüfung findet unter Last statt – im laufenden Betrieb

Eine Wärmebildprüfung an Elektroanlagen ist nur dann aussagekräftig, wenn die Anlage tatsächlich Strom führt. Ohne Last entsteht keine nennenswerte Verlustwärme, und eine Schwachstelle bliebe im kalten Zustand unsichtbar.

Deshalb prüft der Sachverständige Verteilungen, Schaltschränke und Trassen im Regelbetrieb. Als Richtwert sollte die Anlage dabei spürbar belastet sein; je näher am üblichen Betriebszustand, desto verlässlicher das Ergebnis.

Für den Betrieb ist das ein Vorteil: Die Prüfung läuft in der Regel ohne Abschaltung und ohne Produktionsstillstand. Abdeckungen werden nur dort geöffnet, wo es sicher möglich ist – begleitet durch eine Elektrofachkraft, damit die Kamera freie Sicht auf die Kontakte hat.

Was ein Wärmebild zeigt – und was nicht

Die Kamera liefert kein Röntgenbild, sondern ein Muster der Oberflächentemperaturen. Verdächtig ist nicht die absolute Temperatur allein, sondern die Abweichung: Ein Kontakt, der bei gleicher Last deutlich wärmer ist als baugleiche Nachbarpole, deutet auf einen Fehler hin.

  • Hotspots an einzelnen Klemmen, Sicherungen oder Anschlüssen
  • Unsymmetrische Erwärmung über die drei Phasen als Hinweis auf Schieflast oder Kontaktfehler
  • Überhitzte Sicherungselemente, Schütze oder Leitungsschutzschalter
  • Erwärmte Kabelabschnitte als Zeichen von Überlast oder zu kleinem Querschnitt

Befund ist nicht gleich Bewertung

Ein Wärmebild wird erst durch die Interpretation zur belastbaren Aussage. Der Sachverständige ordnet jeden auffälligen Punkt im Zusammenhang mit Lastzustand, Bauart und Umgebung ein und stuft die Dringlichkeit einer Behebung ab.

Ein Wärmebild ist zudem immer eine Momentaufnahme. Wird ein Stromkreis am Prüftag nur schwach belastet, kann ein realer Fehler unauffällig erscheinen – deshalb gehört die Lastsituation zu jeder Aufnahme dokumentiert.

Auch der Emissionsgrad der Oberfläche, Spiegelungen an blanken Metallteilen und die Umgebungstemperatur beeinflussen die Messung. Ein erfahrener Prüfer berücksichtigt diese Einflüsse bei der Auswertung.

Schwachstellen erkennen, bevor sie teuer werden

Die Thermografie ersetzt keine vorgeschriebene Prüfung der elektrischen Anlage, sondern ergänzt sie: Sie findet die warmen Schwachstellen, die Ursachenbehebung übernimmt anschließend eine Elektrofachkraft.

Das Brandschutz- und Sachverständigenbüro Schnese prüft Ihre Verteilungen und Anlagen unter Last, dokumentiert die Befunde nachvollziehbar und ordnet sie fachlich ein. In einer kostenfreien Ersteinschätzung klären wir, ob und in welchem Umfang eine thermografische Prüfung für Ihr Objekt sinnvoll ist.