Ein Grundriss mit ein paar grünen Pfeilen ist noch kein normgerechter Fluchtplan. DIN ISO 23601 beschreibt, wie Flucht- und Rettungspläne aufgebaut sein müssen, damit sie im Ernstfall zuverlässig führen.

Der Sinn dahinter ist praktisch: Ein Plan wird oft unter Stress und in wenigen Sekunden gelesen. Er muss selbsterklärend sein, ohne Vorwissen und ohne langes Suchen.

Die Norm gibt dafür einen klaren Rahmen vor. Sie legt fest, welche Inhalte auf den Plan gehören, wie sie dargestellt werden und worauf es bei der Anbringung ankommt.

So sind Pläne unterschiedlicher Gebäude nach demselben Prinzip aufgebaut – ein Vorteil für alle, die sich in fremder Umgebung schnell zurechtfinden müssen.

Maßstab und lesbare Darstellung

Der Plan muss den tatsächlichen Grundriss übersichtlich und maßstäblich abbilden. Der passende Maßstab richtet sich nach der Objektgröße und wird so gewählt, dass Räume und Wege klar erkennbar bleiben.

Als Aushang haben sich handliche Formate bewährt, die aus normaler Betrachtungsentfernung gut lesbar sind. Wichtiger als jedes Detail ist die Klarheit: saubere Linien, ausreichend große Symbole und ein ruhiges Layout.

Als grobe Orientierung dient ein Format, das den Plan aus wenigen Metern Entfernung noch klar lesbar hält.

Grundlage bleibt der reale Bestand. Ein schön gestalteter Plan nützt wenig, wenn er einen früheren Ausbauzustand zeigt und nicht die heutige Raumaufteilung.

Standortpunkt und richtige Ausrichtung

Zentrales Element ist die Standortkennzeichnung – der Punkt „Sie befinden sich hier“. Er zeigt dem Betrachter, wo er gerade steht, und ist der Ausgangspunkt für alles Weitere.

Entscheidend ist die Ausrichtung des Plans: Er wird aus Sicht des Betrachters gedreht, also in dessen Blickrichtung, nicht zwingend mit Norden oben. Nur so stimmen „links“ und „rechts“ auf dem Plan mit der Realität überein.

Vom Standort aus wird der Verlauf der Flucht- und Rettungswege bis zum Ausgang und zur Sammelstelle nachvollziehbar dargestellt.

Fehlt dieser Bezug, muss sich der Betrachter den Standort erst mühsam erschließen – Zeit, die im Ernstfall fehlt.

Farben, Zeichen und Inhalte

Farben und Sicherheitszeichen sind genormt und folgen den grafischen Symbolen nach ISO 7010 sowie der Kennzeichnung nach ASR A1.3. Das sorgt für eine Bildsprache, die überall gleich verstanden wird.

Dieselben Zeichen tauchen auch auf der Beschilderung im Gebäude auf, sodass Plan und Realität zusammenpassen.

Grundlegend gilt die Farblogik der Sicherheitskennzeichnung:

  • Grün: Rettungszeichen, Fluchtwege, Notausgänge, Erste-Hilfe- und Sammelstellen
  • Rot: Brandschutzzeichen wie Feuerlöscher, Brandmelder und Löscheinrichtungen
  • Blau bzw. Rot-Weiß: Gebots- und Verbotszeichen mit Verhaltenshinweisen

Legende und Verhaltensregeln

Jeder Plan enthält eine Legende, die alle verwendeten Zeichen erläutert, sowie eine knappe Anleitung zum Verhalten im Brand- und Unfallfall.

So findet sich auch jemand zurecht, der die Piktogramme nicht sofort zuordnen kann. Die Verhaltensregeln fassen in wenigen Punkten zusammen, was im Ernstfall zu tun ist.

Gerade an Orten mit Publikumsverkehr sind kurze, eindeutige Hinweise wertvoller als lange Texte.

Dazu kommen Pflichtangaben wie die Sammelstelle und ein Hinweis, wann der Plan erstellt oder zuletzt geprüft wurde. So bleibt die Aktualität nachvollziehbar.

Typische Fehler in der Praxis

Viele Pläne scheitern nicht am Grundriss, sondern an Details, die die Orientierung stören. Einzeln wirken sie harmlos, in Summe kosten sie im Ernstfall aber wertvolle Sekunden.

Diese Punkte fallen bei einer Prüfung immer wieder auf:

  • Der Plan ist nicht aus Betrachtersicht ausgerichtet, sondern starr genordet
  • Der Standortpunkt „Sie befinden sich hier“ fehlt oder ist falsch platziert
  • Der Grundriss ist nach einem Umbau veraltet, Wände oder Ausgänge stimmen nicht mehr
  • Es werden veraltete Piktogramme statt aktueller Symbole nach ISO 7010 verwendet
  • Die Darstellung ist zu klein, zu voll oder am Aushangort schlecht beleuchtet
  • Legende, Sammelstelle oder Erstellungsdatum fehlen

Prüfung durch Schnese

Ob ein vorhandener Plan den Anforderungen der DIN ISO 23601 genügt, lässt sich in einer sachlichen Durchsicht klären. Oft zeigen sich Abweichungen erst im direkten Abgleich mit dem Bestand.

Gern sehen wir Ihre Pläne durch, benennen konkreten Anpassungsbedarf und begleiten die Erstellung normgerechter Pläne. So stellen Sie sicher, dass Ihre Pläne im Ernstfall tragen und einer Prüfung standhalten.

Der Einstieg ist eine kostenfreie Ersteinschätzung.